Mittwoch, 10.12.2025 22:50 Uhr

Kälte, Staub, Milliarden: Der riskante Plan auf dem Mond

Verantwortlicher Autor: Gerd Kaap Leipzig/Berlin, 19.10.2025, 15:52 Uhr
Presse-Ressort von: Gerd Kaap Bericht 5570x gelesen
Fiktion des Abbaus von Helium auf dem Mond
Fiktion des Abbaus von Helium auf dem Mond  Bild: KI generiert

Leipzig/Berlin [ENA] Ein Start-up plant das Weltraummärchen wahr werden zu lassen: Helium-3 vom Mond - nicht für Fusionskraftwerke, sondern als Superkühlmittel für Quantencomputer. Ein 300-Millionen-Deal, Maschinen für giftigen Mondstaub und ein Wettlauf gegen die Physik: Gelingt der Coup, kippt ein ganzer Markt.

Viele Science-Fiction-Geschichten träumen von einer Energiequelle vom Mond: Helium-3. In Filmen und Spielen macht dieses Gas schnelle Raumschiffe möglich oder liefert saubere Energie. In der echten Welt ist das aber schwierig. Warum? Für Reaktoren mit Helium-3 bräuchte man Temperaturen von fast einer Milliarde Grad. Außerdem gibt es auf der Erde so gut wie kein natürliches Helium-3 - es wird meist künstlich aus Tritium gewonnen und ist extrem teuer. Auf dem Mond sieht es anders aus. Dort schlägt der Sonnenwind seit Milliarden Jahren auf den Boden und kann winzige Mengen Helium-3 in den Staub (Regolith) bringen.

Ein US-Start-up namens Interlune will dieses Gas künftig dort abbauen. Es hat 2025 einen großen Vertrag mit der Firma Bluefors geschlossen: Ab 2028 bis 2037 sollen jedes Jahr 10.000 Liter Helium-3 geliefert werden - nicht für Fusionskraftwerke, sondern als Kühlmittel für Quantencomputer, die extrem kalte Temperaturen brauchen. Der Deal ist rund 300 Millionen Dollar wert; Helium-3 gilt als eines der teuersten Materialien überhaupt. Interlune wird von Raumfahrt-Profis geführt und plant Bagger, die mehrere Meter tief graben. In den ersten Jahren sollen aber nur 10–20 Kilogramm Helium-3 zur Erde kommen; später ist eine Test-Fabrik auf dem Mond vorgesehen.

Forscher bleiben skeptisch: Im Mondboden steckt nur sehr wenig Helium-3. Für ein Kilogramm müsste man riesige Mengen Staub verarbeiten, und der scharfe Mondstaub ist gefährlich für Maschinen. Es gibt zudem Konkurrenzfirmen mit anderen Methoden. Gelingt der Abbau, könnte das den Markt verändern: mehr Angebote für Forschung und Industrie, sinkende Preise - und der Beweis, dass Rohstoffe im All kommerziell nutzbar sind. Völkerrechtlich darf niemand den Mond besitzen, aber Rohstoffe abbauen ist grundsätzlich erlaubt. Auch Russland und China arbeiten an Plänen für Mondstationen und gewinnen Helium-3 weiterhin aus irdischen Quellen für Medizin, Detektoren und Quantenforschung.

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Photos und Events Photos und Events Photos und Events
Info.