SHEROES. Comic Art from Africa
Frankfurt am Main [ENA] Die Sonne strahlt heute in Frankfurt. Die Ausstellungsräume des Weltkulturen Museums sind lichtdurchflutet. Südlich blicken wir auf den Metzlerpark, gegen Norden auf die Hochhäuser von „Mainhatten“. Die bunten, oft grellen Farben der Bilder aus den Comics strahlen im Sonnenlicht.
Comics sind am Puls der Zeit. Die Sprache ist Alltagssprache und daher leicht zugänglich und attraktiv für jungen Menschen. Durch die Bildsprache wird eine hohe Identifizierung mit den Themen, die lokale Situationen oder globale Debatten betreffen, erreicht. Comics machen den Inhalt in erster Linie durch Bilder und Bildfolgen und weniger durch Sprache verständlich. Durch die Bildsprache wird ein größeres Publikum erreicht, auch Menschen, die sich nicht an einen größeren Prosatext heranwagen. Kinder und Jugendliche lieben die Comics. Die Verständigung durch die Bildsprache ermöglicht den Wechsel der Perspektive und damit, Neues zu erlernen.
Die Ausstellung zeigt die Werke von afrikanischen Frauen, die neue Identifikationsfiguren schaffen, die die weibliche Perspektive der verschiedenen Lebenssituation, auch im Kontext der dekolonialen Sichtweise, thematisieren. Die afrikanischen Lebensrealitäten als auch die historischen Realitäten im Kontext der (De-)Kolonialisierung finden Zugang in die Comics. Die Helden sind nicht wie sonst üblich: männlich, weiß gelesen und laut, sondern Heldinnen, weiblich, schwarz gelesen und aus den Ländern des globalen Südens kommend. Der Titel der Ausstellung zeigt diesen Zusammenhang im Begriff „SHEROS“ also She/sie und Heroes/Helden. Heldeninnen, weil sie unterrepräsentiert sind und für ihre Rechte kämpfen.
Während der Pressevorbesichtigung erzählt die Künstlerin Joëlle Épée Mandengue, wie schwer die Verständigung durch eine fremde Sprache sein kann. Als Französisch sprechende Frau wollte sie an einem kalten Wintertag in Frankfurt einen heißen Tee in einer Bar bestellen und erhielt Eistee – die französisch-sprechenden Menschen sprechen kein „H“ aus. Das sind Situationen für Comics. Das Thema der Identität der als schwarz gelesene Menschen wird in allen Facetten in den Comics dargestellt. Ziel ist eine Konversation herzustellen, so dass der Austausch von Meinungen und eine gegenseitige Verständigung ermöglicht wird. Das Comic erlaubt Fantasien zu entwickeln, die von der realen Welt bis in die Utopie reichen. Die Inhalte sind oft politisch.
Es geht um Menschenrechte, um queeres Leben, um Freiheit in der Entfaltung seiner Träume. Menschen mit Beeinträchtigungen erhalten ebenso ihre Stimme. Die Krücken werden in dem Comic „Karmzah“ von Farida Bedwei zur Superpower. Die Spuren der Kolonisierung, die Natur und ihre Transformation werden im dem „Strange Tree“, ein Comic von Charity Atukunda aus Uganda aufgezeigt. Die Geschichte mit voller Neugier, Mut und Staunen verbindet ein Blick auf die katastrophale Umweltzerstörung unseres Planeten Erde und warnt vor der Zerstörung unserer Lebensgrundlage. Einige Künstlerinnen werden hier hervorgehoben.
Joëlle Épée Mandengue, geboren in Kamerun, brachte 2016 unter dem Künstlernamen Elyon’ ihren ersten Comic-Band “La Vie d’Ébène Duta” heraus. Im selben Jahr gründete sie das Comic-Festival Bilili BD in Brazzaville, Republik Kongo. In ihrem Comic geht es um Liebe, Freundschaft, Rassismus-Erfahrungen und um kulturelle und sprachliche Missverständnisse. Die authentischen Geschichten aus ihrem eigenen Leben werden humorvoll und voller Ironie in Bildern erzählt. Reine Dibussi, geboren in Kamerun, erzählt in dem Comicroman Cindy & Zoa eine afrolesbische Liebesgeschichte. “Als schwarze Feministin mit einer Leidenschaft für Belletristik interessiere ich mich für die Darstellung schwarzer, afroamerikanischer und queerer Figuren und Erzählungen.”
Da Homosexualität in Kamerun verboten ist, publiziert Dibussi die Comics online und findet so ein großes Lesepublikum. Während den Residenzwochen, die vier Künstlerinnen in Frankfurt im Weltkulturen-Museum verbracht haben, hat Reine Dibussie ein Bild über die Haartracht geschaffen. „On a toujours existe“ – man hat immer existiert - zeigt sechs vollkommen verschiedene Frisuren – ein Spiegelbild der Diversity. Akosua Hanson aus Ghana hat die Moongirls in ihrer Comicserie erschaffen. Sie ist eine leidenschaftliche Verfechterin kreativer Freiheit und feministischer Gedanken. “Jedes Werk spiegelt meine tiefe Überzeugung vom Wert des kollektiven Gedächtnisses, der Befreiung Afrikas und der transformativen Rolle der Vorstellungskraft wider.”
In der Residenzwoche hat sie u.a. das Gärtchen mit der schwarzen Barbiepuppe, die Comics liest, geschaffen (siehe Foto). Das Museum bietet eine gesellschaftliche Teilhabe an. Ein Leseraum mit Comicbüchern ist eingerichtet. Er kann von allen, auch außerhalb der Ausstellung, kostenfrei genutzt werden. Die Ausstellung „SHEROES. Comic Art from Africa“ wird gezeigt im Weltkulturen Museum, Schaumainkai 29, 60594 Frankfurt am Main vom 1. November 2025 bis 30. August 2026.




















































