Mittwoch, 29.07.2026 12:57 Uhr

Israels „Hauptstadt“-Lotterie wird Auslaufmodell

Verantwortlicher Autor: Ronaldo Goldberger Jerusalem, 29.07.2026, 07:40 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Politik +++ Bericht 147x gelesen

Jerusalem [ENA] Tel Aviv als ultimativer Hauptstandort für das diplomatische Corps fremder Länder, die Beziehungen zum jüdischen Staat unterhalten, erodiert. Der befremdliche Automatismus, gemäss dem auswärtige Mächte den Israelis vorschreiben, wo ihre Hauptstadt gefälligst zu liegen habe, neigt sich noch lange nicht dem Ende zu, bewegt sich jedoch zögerlich in eine pragmatischere Richtung, die der jüdischen Historie gerecht wird.

In Jerusalem befinden sich die Knesset, Israels Einkammerparlament, sowie sämtliche Verwaltungsämter der Regierung. Aus Gründen der Staatsraison von Israel in den Anfängen seiner Existenz, als der Ostteil Jerusalems von Jordanien besetzt war, beherbergt Tel Aviv nach wie vor das Armeehauptquartier. Wenn Krieg herrscht, begeben sich der Ministerpräsident und die Armeespitze in die dort in die Erde gerammte Bunkerstadt.

Ganz ohne diplomatische Vertretungen war Jerusalem auch in den letzten Jahren nie. Doch seit der offiziellen Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die USA während der ersten Amtszeit Trumps im Jahre 2017 ist die stoische Negierung des Umstands, dass Juden über Jahrtausende hinweg Jerusalem mit seinem Tempel als spirituellen und politischen Mittelpunkt betrachtet haben, durchbrochen. Unvergesslich bleibt hierbei, um nur ein prominentes Beispiel zu nennen, das Königreich Davids.

Bald gesellt sich Kolumbien als neuntes Land zu den bislang acht in Jerusalem residierenden Botschaften. Nebst den bereits erwähnten USA haben nachfolgende Staaten auf dem diplomatischen Parkett de facto ihre Zustimmung zur unanfechtbaren israelischen Selbstbestimmung erteilt: Guatemala, Honduras, Paraguay, Fidschi, Papua-Neuguinea, Kosovo und Somaliland. Drei EU-Staaten – Tschechien, die Slowakei und Ungarn –, sind in der von Israel als „unteilbar und ewig“ erklärten Hauptstadt mit einer Dépendance ihrer nach wie vor in Tel Aviv befindlichen Botschaft vertreten.

Argentiniens Israel gegenüber äusserst zugetaner Präsident Javier Milei sowie Slowenien, das sich nach kürzlich erfolgtem Regierungswechsel aus den Klauen von Katars Bestechungsmillionen befreien möchte, haben bislang Absichtserklärungen abgegeben, ebenfalls ihre Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen.

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