Freitag, 19.06.2026 08:38 Uhr

Zwischen Respekt und Winseln

Verantwortlicher Autor: Rainer K. Kämpf Berlin, 18.06.2026, 16:12 Uhr
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Berlin [ENA] Bundesaußenminister Wadephul (CDU) ist enttäuscht darüber, daß das Deutschland, das er so gern repräsentieren will, nicht genügend respektiert wird. Den Menschen solle ein Wohlgefallen sein. Spätestens seit Lukas 2.14 wird das mehr oder weniger weltweit gepredigt. Mit wechselndem Erfolg. In unseren Breitengraden wurde diese Maxime zu allem Überfluß auch noch zum Gutmenschentum pervertiert. Sei’s drum. Manchmal,

nur manchmal, wenn uns die unterschwellige Absicht beschleicht, gut und mitleidig zu sein, katapultiert uns das an die Grenze der seelischen Überforderung. Schuldgefühle jedoch, wenn unser Ich dem Mitleid eine Absage erteilt, sollten wir nicht haben. Vielleicht hätte sogar Lukas seine berechtigten Zweifel. Johann Wadephul (CDU) und zudem noch Bundesaußenminister zeigt sich sichtlich enttäuscht darüber, daß das Deutschland, das er so gern repräsentieren will, nicht genügend respektiert wird. Sowas aber auch!

Obwohl Berlin in die UN reinbuttert, daß bei uns die morschen Balken knacken, wollen die uns nicht so richtig liebhaben. Respektieren wohl schon gar nicht. Ein fataler Zustand. Halten wir uns vor Augen, daß die Scheckbuchdiplomatie von jeher ein bundesdeutsches Phänomen war und von Hans-Dietrich Genscher (FDP) bis zur Perfektion ausgefeilt wurde, ist die Enttäuschung bei flüchtigem Hinsehen vielleicht verständlich.

Doch muß gesagt werden, daß während der Genscher-Ära unser Land unbestritten auf vielen anderen Gebieten führend und achtenswert war. Also durchaus und berechtigt respektabel. Genscher mußte Respekt nicht erbitten oder einjammern, sondern dieser wurde ihm und dem Land erwiesen. Das wiederum setzt natürlich die entsprechende Leistung voraus, die in jedem Fall respektgebietend sein muß.

Mit der Leistung auf außenpolitischem Terrain, geschweige denn mit einer achtunggebietenden, sieht es aber seit langer Zeit verdammt schlecht aus. So also täten die brüskiert Überforderten gut daran, wenigstens still zu sein und mit verzerrtem Lächeln zu ertragen, noch wohlgefällig hingenommen zu werden. Einem Kind würde man wohl schniefend über das Köpfchen streicheln.

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