Dienstag, 05.03.2024 10:28 Uhr

Horch, was kommt von draußen rein ...

Verantwortlicher Autor: Gerd Kaap Leipzig/Berlin, 23.01.2024, 14:47 Uhr
Presse-Ressort von: John M. Bericht 5102x gelesen
Meinung im Kopf
Meinung im Kopf  Bild: Bildmontage KI-Bilder

Leipzig/Berlin [ENA] Die STASM-Formel – wie fremde Meinungen in den Kopf gelangen. Meinungen bilden wir uns permanent. Durch lesen, hören, schmecken oder fühlen vergleichen wir das Erlebnis mit Erfahrungen. Welche Methoden für eine Meinungsbildung angewendet werden, beschreibt dieser Beitrag.

Häufig geschieht diese Meinungsbildung unbewusst. Der flüchtige Blick auf ein Plakat, ein Spot im Radio oder die musikalische Dauerberieselung im Supermarkt lenkt die Aufmerksamkeit auf andere Dinge. Das ist Manipulation und die Werbung ein Teil der Propaganda. Propaganda ist ein kraftvolles Werkzeug zur Durchsetzung von Interessen. In Zeiten globaler Spannungen und der Vorbereitung auf bewaffnete Auseinandersetzungen kommt der zielgerichteten Propaganda große Bedeutung zu.

Propaganda ist keine eigenständige Wissenschaft, obgleich immer wieder versucht wird, sie zu „verwissenschaftlichen“. Einzig verschiedene Wissenschaftsrichtungen bilden die Quelle für einen seriösen und objektiven Anstrich. Dadurch erscheint sie unverdächtiger und wird zugleich wirkungsvoller. Es gibt zwei Wege, die zur ihrer scheinbar wissenschaftlichen Darstellung führen: - Nutzung der Einzelerkenntnisse exakter Wissenschaften wie z. B. Pädagogik, Psychologie, Soziologie, Kybernetik, Kommunikationstheorie, Musik- und Literaturwissenschaften.

- Etablierung von pseudowissenschaftlichen Theorien wie: Theorie der Zielpersonengruppen, Dissidenztheorie oder Psychagogie. Hochentwickelte Staaten bauten und bauen die „Verwissenschaftlichung“ der Propaganda bis hin zur kognitiven Verhaltensänderung als Mittel der psychologischen Kriegsführung aus. Kanada hat dabei eine Führungsrolle inne. Dazu werden insbesondere sozialpolitische und gnoseologische (erkenntnistheoretische) Grundlagen genutzt.

Es liegt auf der Hand, dass die kognitive Beeinflussung vordergründig die erkenntnistheoretischen Grundlagen benutzt. Durch diese ist es möglich, gezielte und konzentrierte Einwirkungen auf das Bewusstsein zu realisieren. Das gilt sowohl für den einzelnen Menschen, eine Gruppe oder soziale Gemeinschaften. Dabei werden Ideen oder Gefühle suggeriert. Um die Logik oder gar Beweise schert man sich nicht im Geringsten.

Da die psychische Verfassung von Menschen der verwundbarste Punkt darstellt, konzentrieren sich die Entwickler kognitiver Beeinflussungsstrategien auf die möglichst tiefe politische, ideologische und moralische Durchdringung. Auf diese Weise gelingt es, die psychische vor die soziale Komponente zu rücken. Ein Spannungsfeld in Form massiver Unsicherheiten entsteht im Individuum. Ist das erreicht, geht es an die Realisierung.

Da in der heutigen Welt alles und jeder verwissenschaftlicht wird, hat man dafür sogar eine Formel gefunden. Die S T A S M-Formel. Jene Formel ist keine wissenschaftliche Darlegung. Sie ist ein Denkmodell für die Praxis der kognitiven Beeinflussung. Ein Leitfaden. Propaganda entfaltet ihre Wirkung durch Desinformation. Daher bedarf es für eine effektive und nicht erkennbare Desinformation: - einer passenden Information, - eines passenden Zeitpunkts, - eins effektiven Kommunikationsmittels sowie - eines definierten Teil- oder Gesamtziels, um öffentliche Meinungen zu bilden und sie ohne jedes weitere Eingreifen oder der Anwendung staatlicher Machtinstrumente in die gewünschte Richtung zu drängen.

Die STASM-Formel berücksichtigt folgende Faktoren: S – Source (Quelle) T – Time (Zeit; „ideologisches Timing“) A – Audience (Empfänger) S – Subject (Thema) M – Mission (Aufgabe) Source – weiß, grau oder schwarz? Woher stammen die Informationen für die Desinformationen? Man unterscheidet hier zwischen „weißer“, „grauer“ und „schwarzer“ Propaganda. Die Quellen für die weiße Propaganda entspringen aus verbürgten Quellen (Sponsoren). Bei der grauen Propaganda weist man die Quelle nicht gesondert aus. Schwarze Propaganda benutzt gefälschte Quellen. Keineswegs bedeutet das eine Unterteilung in Wahrheitskategorien. Demzufolge wird mit der weißen Propagandagelogen ebenso gelogen wie mit schwarzer oder grauer.

Time: Steter Tropfen höhlt den Stein, sagt ein altes Sprichwort. Das trifft ebenso für die Propaganda zu. Stetig wiederkehrende, in dieselbe Richtung zielende Aussagen führen zu Meinungs- und Verhaltensänderungen. Die Anzahl muss dabei mit der Wirkungsdauer zunehmen. Nicht vergessen werden darf das ideologische Timing. Hierbei kommt es darauf an, dass der Inhalt mit der jeweiligen Politik übereinstimmen muss. Audience Die verschiedenen Formate, mit denen Inhalte vermittelt werden, beruhen auf der Auswahl der Empfänger. Je nachdem, ob politische, ideologische, nationale, territoriale oder ethische Gesichtspunkte gewählt werden, unterscheiden sich die Mittel und Methoden.

Subject: „Ein Propagandist, der das Böse vermeidet, leistet nur halbe Arbeit.“ (Paul A.Linebarger „Psychological Warfare“) Es gehört dazu, das Böse als Thema zu wählen. Selbst dann, wenn man das Gute zeigen will. Eine weitere Methode ist die Verwendung der soziologischen Propaganda. Ihr fehlt es scheinbar an politischen und ideologischen Inhalten. Die Hauptmethode ist der „wertfreie“ Vergleich.

Mission: Am Grad der Erfüllung wird die Effektivität der gestellten Aufgabe gemessen. Die Aufgabenstellung erhält die Propaganda von der jeweiligen Politik. Wie gestaltet sich das in der Praxis? Den oben genannten „Theorien“ folgt stets die identische Technologie: - Nachrichten, Interviews etc. erscheinen immer an Standardplätzen. - Dieselbe Nachricht wird oben platziert und oft wiederholt. - Sonderkorrespondenten, Augenzeugen sowie zufällig Involvierte werden gezeigt oder zitiert. - Weitere Medien eröffnen die Berichterstattung zu dem Thema. Neben Rundfunk und Fernsehen sind das vor allem soziale Medien oder Printerzeugnisse.

- Kommentare werden abgegeben. Die Konsumenten werden mit ihren Kommentaren eingeblendet. Kommentare sind zugleich ein Indikator, mit dem die Zielwirkung der Information bewertet werden kann. - Die Nachrichtenfolge erhöht ihre Frequenz der Wiederholungen. Mediale Krisenstäbe tragen dazu bei, die Präsenz in der Wahrnehmung aufrechtzuerhalten bzw. zu steigern. - Stellungnahmen von Politikern, Organisationen und Managern werden gefordert und wenn möglich live gesendet. - Die Nachrichten geben sich international. An internationale Organisationen oder Gremien ergeht der Aufruf zum Handeln. - Ringschaltungen unterbrechen den normalen Sendeablauf, erhöhen die Wahrnehmung und tragen zur Verwirrung bei.

Die psychologische Manipulation läuft. Gearbeitet wird oft mit verdeckten, falschen oder illegalen Quellen. Falsches wird selten richtig gestellt, Gegenargumente nicht beachtet. Entziehen kann man sich dieser Art von Manipulation nur schwer. Dagegen wehren schon. Das Mittel dagegen ist Fragen stellen, recherchieren und vergleichen. Wenn das Ablaufschema erstmal erkannt wurde, verringert sich die beabsichtigte Wirkung.

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